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Reisebericht: China – Auf Entdeckungstour im Reich der Mitte

Autor: Jeffrey Möller 

Während der Nationalfeiertagswoche Anfang Oktober ist ganz China auf den Beinen. Zu dieser Zeit befindet sich das Land jedes Jahr aufs Neue in einem absoluten Ausnahmezustand – mehr als 700 Millionen Chinesen sind innerhalb dieser „Golden Week“ auf Reisen. Trotz aller Reiseführer-Warnungen entschied ich mich, das Land im Fernen Osten in den Tagen um den chinesischen Nationalfeiertag zu entdecken. Das Ergebnis war eine Reise, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.

Menschenmassen auf dem Tian'anmen-Platz
Menschenmassen auf dem Tian'anmen-Platz

Die Wahrheit ist, dass ich die Nationalfeiertagswoche und den dazugehörigen Reiseansturm ursprünglich gar nicht in meine Planungen miteinbezogen hatte. Nach der Lektüre einiger Reiseführer wurde jedoch schnell klar, worauf ich mich da eingelassen hatte. Dennoch wollte ich nun nicht mehr von meinem Plan abrücken. Ich wollte das Reich der Mitte in 10 Tagen entdecken und genau das würde ich jetzt tun. Die immense Reisebewegung der Chinesen, die diese freie Woche nutzen, um ihre Familien zu besuchen oder sich selbst einige Sehenswürdigkeiten im eigenen Land anzuschauen, würde ich dabei als Erfahrung abbuchen.

Selbstverständlich ist es selbst im Ansatz unmöglich, China in nur 10 Tagen zu entdecken, daher wollte ich mich zunächst auf den Nordosten des Landes konzentrieren und meine Reise in der Landeshauptstadt Peking beginnen und nach Shanghai und Suzhou weiterreisen.

Der Wahnsinn beginnt

Um direkt eine der besonderen Seiten Pekings kennenzulernen, hatte ich eine Unterkunft in den Hutongs gebucht. Dabei handelt es sich um historische Wohngebiete mit engen Gassen und einem ausgeklügelten Innenhofsystem. Diese traditionellen Wohnhöfe befinden sich direkt in Pekings Innenstadt und sind spannend zu erkunden – in den schmalen Gassen kann man von der Hipster-Bar bis zum uralten Tante-Emma-Laden so einiges entdecken.

Auf Entdeckungstour durch Pekings Hutongs
Auf Entdeckungstour durch Pekings Hutongs

Nachdem ich mich einige Tage in Peking akklimatisiert hatte, war es an der Zeit, mich ins Getümmel zu stürzen und mir den berühmten Tian'anmen-Platz am Nationalfeiertag anzusehen. Ich wusste, dass ich viele Menschen zu erwarten hatte, aber diese Massen beeindruckten mich dann doch. Ich fühlte mich wie in einem Meer von Menschen, so etwas hatte ich vorher noch nicht erlebt, ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Dies war also die berühmte Reisewelle, man hatte mir nicht zu viel versprochen. Dennoch fühlte ich mich nicht bedrängt oder eingeengt, vielmehr nahm ich die Tausenden chinesischen Touristen als Teil der Sehenswürdigkeit wahr.

Menschenmassen auf dem Tian'anmen-Platz
Menschenmassen auf dem Tian'anmen-Platz

Am nächsten Tag entschied ich mich, einen Ausflug zur Chinesischen Mauer außerhalb Pekings zu machen, quasi als Kontrastprogramm zum Gewirr auf dem Tian'anmen-Platz. Mutianyu wurde mir als bester Spot zum Besuch der chinesischen Mauer empfohlen. Es ist der längste für Touristen geöffnete Abschnitt der Mauer und liegt weit genug von Peking entfernt, um nicht von Besuchern überschwemmt zu werden. Tatsächlich auf der Chinesischen Mauer entlang zu spazieren war ein wirklich großartiges Gefühl. Zudem bot sich mir von hier aus ein eindrucksvoller Blick über die weiten Gebirgshügel Chinas – nach einigen Tagen in Peking eine willkommene Abwechslung.

Auf der Chinesischen Mauer
Auf der Chinesischen Mauer

 

Mit Rekordgeschwindigkeit nach Shanghai

Am besten reist es sich in China per Zug. Die Hochgeschwindigkeitszüge des Landes sind nicht nur sauber, pünktlich und haben reichlich Servicepersonal an Bord, sondern sie sind auch mit der Rekordgeschwindigkeit von bis zu 400 km/h unterwegs. Zudem ist eine Zugreise eine wunderbare Gelegenheit, etwas vom Land zu sehen. Ich setzte mich also in den Hochgeschwindigkeitszug zwischen Peking und Shanghai und raste in rund viereinhalb Stunden an zahlreichen Städten, Hochhaussiedlungen und Feldern vorbei.

In Shanghai angekommen checkte ich in meine Unterkunft direkt am Yu-Garten ein. Von hier aus konnte ich die Haupteinkaufsstraße Nanjing Road, den bekannten People’s Square sowie die berühmte Promenade „The Bund“ in nur wenigen Minuten zu Fuß erreichen.

Ich machte mich zunächst auf zur Flaniermeile Nanjing Road, die – wie nicht anders zu erwarten – mit Tausenden von Menschen gesäumt war. Glücklicherweise ist Shanghais Shoppingmeile eine breite Fußgängerzone, so dass sich die Menschenmassen einigermaßen gleichmäßig verteilten. Am spannendsten fand ich die zahlreichen Straßenhändler, die auf sympathische Art versuchten, allerhand Krimskrams unters Volk zu bringen. Tatsächlich ließ ich mich zum Kauf von Rollschuhen hinreißen, die ich unter meine Schuhe schnallen konnte und damit dann die Nanjing Road runterrollte. Zwar wäre das aufgrund der vielen Menschen in einigen Fällen fast schiefgegangen, allerdings hatte ich Glück und konnte meinen Geschwindigkeitsrausch unfallfrei genießen.

Abends spazierte ich dann zum ersten Mal entlang der Uferpromenade „The Bund“, von wo aus ich einen großartigen Blick auf die Skyline Shanghais hatte. Der Anblick war wirklich atemberaubend – das mag sich klischeehaft anhören, jedoch kann ich es nicht anders beschreiben. Nur selten habe ich eine eindrucksvollere Skyline als die Shanghais gesehen. Hinzu kam, dass sich die bunt erleuchteten Wolkenkratzer auf der dunklen Flussoberfläche spiegelten – ein wirklich fesselnder Anblick, für den allein sich der Besuch Shanghais gelohnt hatte.

 

Das Venedig des Ostens

Nachdem mich meine letzten beiden Stopps mit Peking und Shanghai in große Städte von internationaler Bekanntheit geführt hatten, wollte ich zum Abschluss meiner Reise noch einmal eine weniger bekannte Stadt erkunden. Bei meiner Recherche war ich auf Suzhou gestoßen, eine Stadt, die sich mit dem Spitznamen „Venedig des Ostens“ rühmt, was mich neugierig machte.

Nach nur einer Zugstunde erreichte ich Suzhou und konnte das erste Mal in dieser Woche richtig aufatmen – die Straßen waren im Vergleich zu Peking und Shanghai recht leer, Verkehrslärm und Menschengedränge schienen hier meilenweit entfernt. Es war wirklich entspannend vorbei an Obst- und Gemüsehändlern, Süßigkeitenläden und Restaurants durch die Straßen zu schlendern.

Da Suzhou im Jangste-Becken liegt, fielen mir sofort die vielen Brücken auf. Jedoch wurde erst im Herzen der Innenstadt deutlich, wodurch sich Suzhou seinen Spitznamen verdient hat. Die Altstadt ist geprägt von zahlreichen Kanälen und schmalen Gassen. Sie erinnert tatsächlich an ein chinesisches Venedig. Die Gassen sind gesäumt von historischen Gebäuden und die zahlreichen Brücken aus Stein sehen wie aus dem Märchen entsprungen aus. Diese poetische Atmosphäre wird zusätzlich durch die vielen Gärten entlang des Kanals und den zahlreichen historischen Ruderbooten verstärkt.

An den Kanälen von Suzhou
An den Kanälen von Suzhou

Wer sich nun vorstellt, wie ich in Ruhe durch diese anschauliche und antike Umgebung schlendere, der täuscht sich jedoch. Zwar ist Suzhou im Allgemeinen eine ruhige Stadt, jedoch gilt dies nicht für die Gassen entlang der Kanäle der Innenstadt. Gerade in den Abendstunden drängten sich Massen durch die kleinen Straßen, um zu essen, zu shoppen oder sich in einer der vielen Bars mit Livemusik zu amüsieren. Wie schon zuvor empfand ich die zahlreichen Menschen jedoch nicht als störend, eher das Gegenteil war der Fall. Die geschäftige Atmosphäre war belebend und spannend zu beobachten. Zudem gab es an jeder Ecke köstliches Street Food, von dem ich unbedingt so viel wie möglich probieren wollte, so dass ich selbst nachdem ich längst satt war noch kräftig bei Dumplings, Waffeln und weiterem zulangte.

Chinesische Dumplings in allen Formen und Farben
Chinesische Dumplings in allen Formen und Farben

 

Fazit zur Reise

Auf meiner China-Reise habe ich an jedem meiner Reisetage neue Eindrücke gesammelt, mir zuvor unbekanntes Essen gegessen und spannende Dinge über dieses faszinierende Land gelernt. Vermutlich kann man Jahre in China verbringen, ohne dieses Land vollständig zu verstehen– und genau das macht eine Reise in das Reich der Mitte so spannend.

Natürlich war dies keine Reise, bei der ich auf der faulen Haut liegen und mal richtig ausspannen konnte. Aber das war mir bereits im Voraus bewusst und danach habe ich auch nicht gesucht. Ich habe mich nach Erlebnissen und neuen Erkenntnissen gesehnt und dieser Wunsch ist mir auf meiner China-Reise erfüllt worden. Ich bin mit unglaublich vielen neuen Eindrücken nach Deutschland zurückgekehrt und habe doch das Gefühl, dass dort noch viel mehr auf mich wartet. Meine nächste China-Reise ist daher bereits in Planung.

Die Verbotene Stadt im Blick
Die Verbotene Stadt im Blick

 

Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Aufenthalt in China.

 

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