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Reisebericht: Die Südküste Englands – abwechslungsreich, traditionell und wunderbar

Autorin: Martina Karaczko 

Reisen, Reisen ist schön. Es ist moderner denn je, die Welt erkunden zu wollen. Ich habe diesmal ein Land gewählt, das ich noch nicht kenne: England. Die Südküste sei schön, sagen sie. Ich bin sehr gespannt und habe praktisch keine Erwartungen. Der Flug ist fix gefunden und eine Unterkunft für den fünftägigen Trip habe ich ganz modern über „airbnb“ gebucht. Für die, die es nicht kennen: Das ist eine Internetplattform, auf der Menschen aus aller Welt ihre Wohnungen und Häuser an Reisende vermieten.

Bournemouth

London - Der Flug von Dortmund nach London ist eigentlich eher ein Flügchen, es kommt mir vor, als sei das Flugzeug nur gestartet, um gleich wieder zu landen. Vom Flughafen in Stansted sind es rund 60 Kilometer zur Victoria Coach Station in der Londoner Innenstadt. Dennoch benötigt der Bus gut eineinhalb Stunden, Grund dafür ist der Londoner Stadtverkehr, der wirklich beeindruckend ist. Der Bus kommt erfreulicherweise an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei und weil er das nur langsam kann, gibt es genügend Zeit zum Schauen. Ich bin begeistert von dieser Gratis-Stadtrundfahrt.

Und wer noch nie in London war, darf zu Recht beeindruckt sein von den imposanten historischen Bauwerken (Buckingham Palace habe ich übersehen, vielleicht habe ich gerade mein Käsebrot aus dem Rucksack gekramt). Beeindruckend sind aber auch die Menschen, die Urbanität und die Internationalität, aber auch die Fish and Chips. Fish and Chips sind im historischen Pub „Travellers Tavern“ an der Elisabeth Street besonders lecker und knusprig. Viel Zeit bleibt aber gar nicht: Von London geht die Reise weiter nach Bournemouth, an die Südküste der Insel.

Bournemouth

Nina, meine Unterkunft in Bournemouth finde ich im Stadtteil Boscombe: ein kleines Reihenhaus mit Backsteinfassade und bunten Blumen davor. Very british, wie ich finde.

Hier lebt meine 81-jährige Gastgeberin Nina allein, doch ihr Haus ist ständig von Reisenden bevölkert, oft sind es Austauschschüler aus Deutschland. Fünf Tage bleibe ich dort und ich möchte keinen einzigen davon missen. Als „airbnb“-Neuling bin ich zunächst verblüfft, dass mein Schlafzimmer direkt neben Ninas liegt, es ist wirklich privat. Ich bin also in England und lebe wie die Einheimischen. Das ist sehr charmant und bestimmt eine großartige Alternative zu unpersönlichen Hotels.

Am ersten Morgen nach dem Aufwachen kitzelt der Duft des typisch englischen Frühstücks meine Nase und aus der Küche im Erdgeschoss höre ich geschäftiges Treiben, das vom Radio untermalt wird. Ich habe fast das Gefühl, zu Besuch bei meiner Großmutter zu sein, aber es ist Nina, die netteste Gastgeberin der Welt. Sie serviert zum Frühstück Bratkartoffeln, Spiegeleier, Speck und Würstchen in ihrem gemütlichen Esszimmer, von dem aus man einen Blick auf ihren wunderschönen blühenden Garten hat.

Sobald sie in der Küche fertig ist, setzt sie sich jeden Morgen mit an den Tisch und plaudert mit mir. Es ist sehr lustig, wenn Nina plaudert, britischer Humor eben. Dann lädt sie mich ein, in ihrem Garten zu sitzen. Ihre Nachbarin kommt vorbei und so sitzen wir zu dritt im Schatten und denken laut darüber nach, wie wohl die Tomaten in diesem Sommer werden.

Ich weiß, dass es an der englischen Südküste sonnige Fleckchen gibt, an denen auch Tomaten gedeihen und Bournemouth gehört dazu. Keine einzige Wolke am Himmel, es ist Badewetter. Der Strand ist wunderschön und sehr weitläufig. Ich gönne mir ein paar Stunden dort und wage mich sogar ins Wasser, das im Juni noch sehr erfrischend ist. Ansonsten hänge ich entspannt meinen Gedanken nach und sinniere darüber, ob ich nun an der Nordsee oder am Atlantik sitze. Ich werde das mal recherchieren.

In der Gegend gibt es übrigens viele Palmen, man kommt sich fast vor wie am Mittelmeer. Der Strand von Bournemouth ist vor allem bei Familien sehr beliebt. Auf der Promenade gibt es zahlreiche kleine, bunte Hütten („huts“), die man mieten kann. Sie verfügen über eine kleine Küche und einen schattigen Rückzugsraum und bieten Komfort für einen langen entspannten Tag am Meer. Bis in den späten Abend hinein sind Strand und Promenade beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen und ich bin mittendrin.

Bournemouth - Eines der beliebtesten (einheimischen) Ferienziele der Briten, aber auch das Zuhause von rund 190 000 Menschen. Die Stadt ist sehr lebendig, was sicher auch an den vielen Studenten liegt, die an der hiesigen Universität studieren. Es ist mediterran, urban, dabei gleichzeitig lebendig und gemütlich. Ich sehe viele kleine Geschäfte, die wahnsinnig hübsch sind. Besonders charmant finde ich die ausgeprägte Liebe zum Detail und der fehlende Hang, alles modern machen zu müssen.

Es gibt in der Innenstadt noch viele viktorianische Bauwerke, die eine mondäne Atmosphäre schaffen. Inmitten der tropischen Pflanzen des „Lower Gardens“, dessen Wege geradewegs zum Strand führen, trinke ich einen Kaffee und sehe dem sommerlichen Treiben zu. Das ist herrlich entspannend und der Schatten schützt vor der Sonne, die hier wirklich nicht zu unterschätzen ist. Ich überlege mir einen Sonnenhut zu kaufen, der Schatten auf meine krebsroten Schultern wirft.

Und sonst? Die Reise war eine Aneinanderreihung von kleinen Glücksgefühlen, denn die Menschen sind offen und herzlich und der Landstrich um Bournemouth ist wunderschön. Ich habe andauernd das Gefühl, dass hinter jeder Ecke wieder eine übermütig schöne Landschaft lauert, die mich überraschen will. Die Vegetation, die Weitblicke, das Grün, die Natur und das Meer feiern eine ausgelassene Party und laden mich dazu ein.

Gerne wiedersehen würde ich Mudeford, wohin man von Christchurch mit dem Boot kommt. Eine nicht enden wollende Natur, ein traumhaft schöner, kleiner Strand und das Gefühl am entspanntesten Ort der Welt zu sein. Es gibt keine Geschäfte und keine Autos, nur die Natur und bunte Hütten, in denen auf wenigen Quadratmetern eine Familie unterkommen kann, es ist gewissermaßen Camping Deluxe. Deluxe außerdem, weil man für eine solche Hütte einen sechsstelligen Betrag ausgeben muss (man kann sie aber auch mieten).

Jederzeit würde ich die Fahrt nach Swanage mit dem „Breezer“ wiederholen. Der „Breezer“ ist ein Doppeldecker-Cabrio-Bus, dessen Fahrer mir 8,60 Pfund abnimmt, aber es lohnt sich. Ich habe einen der begehrten Freiluftplätze ergattert und lasse mir die warme Sommerluft um die Nase wehen, während ich in das ehemalige Fischerdorf fahre.

Der eineinhalbstündige Weg samt kurzer Fährüberfahrt ist wirklich traumhaft schön. Nur Natur, glück pur. Und immer wieder wartet die Landschaft mit neuen Gesichtern auf mich, mal ist sie mediterran, wild und endlos, dann tauchen plötzlich dreißig Meter hohe Grashügel auf, auf deren Gipfel braun-weiße Kühe über die Preise irischer Butter zu philosophieren scheinen. Dahinter, mitten im Nirgendwo, steht ein einsames Bruchsteinhaus, klein und windschief, das mit leuchtend pinken Geranien garniert ist.

Wer hier Urlaub macht, vergisst das Wort Stress innerhalb der ersten Stunde.

Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Aufenthalt an der Südküste Englands.

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