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Reisebericht Bretagne: Ein Augen- und Gaumenschmaus

Autorin und Reisebloggerin Angelika Schwaff von reise-freunde.com zeigt dir im folgenden Reisebericht, warum die Bretagne ein echter Augen- und Gaumenschmaus ist.

Der Wind ist so rau wie die Haut der alten Fischer, die man hier noch an manch Kaimauer beobachten kann. Da stehen sie, schauen mit zugekniffenen Augen auf die Wellen und scheinen in ihnen zu lesen. „Morgen wird das Wetter gut“ sagt der Fischer am Hafen zu mir. Es regnet in Strömen, der Sturm peitscht die Wellen auf. Und ich – begossen wie ein Pudel –  nicke nur skeptisch. Es ist mein zweiter Besuch in der Bretagne, noch kann mir die Nässe nichts anhaben. Der Fischer schaute mich erneut an und brummt: „Der Regen fällt nur auf die Dummen – und das in Tropfen“. Ich weiß, das ist ein bretonischen Sprichwort aber: Was meint er nur damit?

Egal. Am Tag drauf scheint die Sonne so gelb, und der Himmel ist so blau, dass ich fortan an bretonische Fischerweisheiten glaube. An die Magie der Bretagne glaube ich schon seit meinem ersten Besuch.  
Denn eine Reise in die Bretagne hat noch niemanden gleichgültig gestimmt. Diese Region im Nordwesten Frankreichs ist eigenartig und einzigartig. Stur ist man hier, brummig aber auch so liebenswert. Um zumindest die wichtigsten und auch schönsten Ecken der Bretagne zu entdecken ist ein Roadtrip ideal- und auf den nehme ich euch jetzt mit. Dabei werden wir Delfine sehen, hervorragend essen, uns auf die Spuren eines Kommissars begeben und denken, wir stünden an der Südsee.

Hoch im Norden: Am Ende und Anfang der Welt im Finistère

So richtig französisch übrigens wirkt die Bretagne besonders in ihrem Norden nicht. Eher keltisch. Im Département Finistère zeigt sich die Dickköpfigkeit der Bretagne schon im Namen. Die Römer nannten den Landstricht nämlich einst „Finis Terrae“, also das „Ende der Welt“ – daher auch der heutige Name. Aber natürlich haben die Bretonen in ihrer ureigenen Sprache einen anderen Namen für diese Ecke: „Penn-ar-Bed“, was „Anfang der Welt“ heißt.

Ein Gegensatz, der nicht nur irgendwie liebenswert ist, sondern auch sonst zu so vielem hier passt. Am nordwestlichsten Zipfel der Bretagne stehe ich an schroffen Felsküsten, an denen sich die Wellen peitschen – etwas weiter südlich schon stecken meine Füße in zarten, schneeweißen Sandstränden, deren langsam schwappendes Wasser so klar ist und so smaragdgrün wie auf den Malediven schimmert. Und so wird es die nächsten Tage weiter gehen.

Kulinarischer Segelturn an der Smaragdküste

Aber erst mal schnuppere ich Seeluft auf einem kleinen Kahn, der mich und weitere Gäste raus vor die Küste von Cancale bringt. Die Austernstadt hoch oben im Norden ist der perfekte Ort für einen Start zur einer Rundreise durch die Bretagne.

An Bord des urigen Bootes wurden etliche Kisten und Kühlboxen verladen – mit Geschirr und allerlei Köstlichkeiten. Ich bin auf einer kulinarischen Bootsrundfahrt, ein Sommelier und ein Koch sorgen für das leibliche Wohl und bereiten Getränke und Speisen zu, während wir die herrliche Aussicht genießen.

Wir sehen Delfine, die sich bis an unser Boot herantummeln und wie bestellt zur Freude ein paar Luftsprünge machen. Das Wasser ist klar und leuchtend grün – auch deshalb heißt das Stück Festland hier Smaragdküste. Geht es noch besser?

Ja! Nämlich genau dann, wenn die frischen Austern serviert werden, und der Hummer auf dem Grill herrlich duftet und die Sonne scheint. Wenn ihr mich fragt: das ist der perfekte Auftakt zu einer Reise durch die Bretagne!

Hier erfahrt ihr mehr über die kulinarische Bootsfahrt und könnt auch direkt einen Platz buchen.

Am Nachmittag bin ich zu Fuß unterwegs – nach einem kleinen Spaziergang bin ich da wo ich hinwollte und schaue auf die rosa Granitküste in Ploumanac’h.

Bitte fragt mich nicht wie das ausgesprochen wird. Die Wellen brechen sich an den Felsen und sorgen für deren eigenartigen Formen. Weich und rund sehen sie aus und türmen sich teilweise haushoch. Ein majestätischer Anblick. Wenn es hier nicht so heftig wehen würde, wäre ich mit offenem Mund starrend stehen geblieben.

Tags drauf geht es weiter. Ich besuche den Ort Pointe Saint-Mathieu, Hier thront ein Leuchtturm neben den Ruinen einer alten Abtei und warnt die Boote mit seinem Lichtkegel vor den schroffen Felsen. Etliche Schiffe haben es nicht geschafft, das Meer vor dieser Küste wimmelt angeblich von Wracks. Apropos Schicksal und Schauriges: viele, die in der Bretagne unterwegs sind, kommen weil sie Fans eines Mannes sind. Besser gesagt eines fiktiven Charakters: Kommissar Dupin. Alle Bücher aus der Reihe haben bisher die Bestseller Listen gestürmt, auch ich habe sie alle verschlungen. Der Autor, niemand weiß offiziell, wer er ist, kennt die Bretagne wie seine eigene Westentasche –ist aber den Gerüchten nach Deutscher. Hinter dem französisch klingenden, banalen Pseudonym Jean-Luc Bannalec soll sich ein Verlagsgeschäftsführer verbergen. Aber wer weiß das schon. Viel spannender ist es, Dupin zu lesen, und dann viele Plätze und Orte in Echt wiederzuentdecken.

Während besagter Kommissar in einem der Bücher hier nur vorbeigeknattert ist, habe ich genügend Zeit, um ein herrliches Farbspiel zu bewundern. Abends taucht der Sonnenuntergang das Meer in eine romantische Mischung aus blau und lila. Dann schwenkt das Licht des Leuchtturmes über die Wellen. Es ist Zeit zum Abendessen. Natürlich ist die Bretagne der beste Ort, um seinen Fisch und Meeresfrüchte-Hunger zu stillen. Die Bretonen lachen sich angeblich über den Rest der Franzosen schlapp, die für viel Geld Tiefgefrorenes aus dem Meer in den Restaurants außerhalb der Bretagne essen müssen und daran auch noch Geschmack finden. Denn hier gibt es all das fangfrisch und dazu noch vergleichsweise günstig. Auch auf meinem Tisch im Bistro 1954 direkt gegenüber vom Leuchtturm landen daher Austern und Co – von nebenan sozusagen. Köstlich.

Anschrift Bistro 1954
7 Place Saint-Tanguy
29217 Plougonvelin
Webseite vom Restaurant

Ich schlafe in der Bretagne tief und fest wie ein Deichschaf – natürlich liegt das an der frischen Luft hier am Meer. Apropos – kein Ort der Bretagne ist mehr als 100 Kilometer vom Meer entfernt. Bei 2500 Kilometer Küste ist das natürlich auch kein Wunder. Ich setzte mich ins Auto und fahre die Küste weiter ein Stück Richtung Süden entlang.

Frische Austern Bretagne

Strandfischen in der Bretagne

Auf der grünen Halbinsel Crozon hinter Brest mache ich Halt, es geht zum Pêche à pied, fischen zu Fuß, wenn man so will. Natürlich fischt man dabei nicht, sondern bückt sich in seinen Gummistiefeln und schaut, welche Schätze die Ebbe so in den schlammigen Sand gespült hat.

Peche a Pied Strandfischen Bretagne

Ein reicher Fang war es in meinem Fall –  Austern, Schnecken und weitere Muscheln kann ich mitnehmen, sogar Krebse sind auch dabei. Ich bin mit einer Familie hier, die ein kleines Bed & Breakfast führt. Zuerst sammeln wir gemeinsam, danach stehen wir zusammen in der Küche und bereiten aus dem Fang ein köstliches Mahl zu. Nach der zweiten Flasche Wein auf dem Tisch und mit Blick auf die Platten mit leckeren Meeresfrüchten dürfte klar sein, dass es eigentlich „Wie Gott in der Bretagne“ heißen muss. Wenn ihr auch Lust auf das Strandfischen habt, erkundigt euch einfach bei den Einwohnern, wer so etwas vor Ort anbietet. Es findet sich immer jemand!

Peche a Pied Strandfischen Bretagne 1

Surfen in der Bretagne

Am nächsten Morgen kündet die Sonne bestes Reisewetter an, dabei habe ich es gar nicht weit: ich will nach Penmarc’h – zu einem Surfkurs. Der Strand ist ein Traum, weiß und breit liegt er vor uns, die Wellen sind sanft aber gleichmäßig.

C’est ideal“ sagt der sonnengebräunte Surflehrer Thomas. Das verstehen alle Anfänger dieser Gruppe. Thomas ist übrigens ehemaliger Vize-Europameister im Surfen. Mit seinen Buddies hat er sich hier an DEM Surfstrand der Bretagne, an der Pointe de la Torche, einen Traum erfüllt und eine Surfschule eröffnet. Für uns geht es nach kurzen Trockenübungen am Strand hinaus ins Wasser – und siehe da: nach wenigen Minuten passiert etwas, dass ich nicht so schnell für möglich gehalten hätte. Ich stehe auf einem Surfbrett, den Hintern nach hinten gestreckt, die Arme professionell nach vorne zielend und reite bis zum Strand über die azurblauen Wellen.

Das Wasser, das mir im 3cm dicken Neoprenanzug anfangs noch leicht frisch vorkam, scheint mir übrigens nach wenigen Minuten warm. Und natürlich hole ich mir einen Sonnenbrand auf der Nase. Typisch Surfer.

Anschrift 29 Hood Surfschule
433 Rue du Musée de la Préhistoire
29760 Penmarch
Webseite zur Surfschule

Fast schon karibisch: Ausflug auf die Glenan Inseln

Ein neuer Tag, ein neues Abenteuer! Gegenüber von meinem süßen Hotel der Vornacht besteige ich eine Fähre, die mich zu den Glénan Inseln bringen wird.

Anschrift Hotel:
19 Rue de Bac
29120 Sainte-Marine
Webseite vom Hotel

Die Möwen kreisen schreiend um die Köpfe der Besucher, die wie ich für den Tag ein wenig Entspannung suchen. Denn übernachten kann man auf den Inseln vor uns nicht.

Natürlich spielte hier auch schon einmal eine Szene aus einem der Kommissar Dupin-Bücher – denn es ist hier tatsächlich nicht nur wunderbar unberührt, sondern auch extrem einsam. Zumindest wenn man hinter den anderen Touristen aus dem Boot bleibt. Ebbe und Flut verändern das Aussehen des Archipels, manchmal tauchen die kleinen Inseln und Sandbänke auf, mal sind sie nicht zu sehen. Sowieso: Himmel und Wasser verschmelzen hier zu einer Farbe.

Auf einer der Hauptinseln, Saint Nicholas, gibt es immerhin zwei Restaurants, es geht gemütlich zu. Und weiter hinten findet man eine schmale Sandbank, die bei Ebbe eine weitere Insel begehbar macht und vor allem einen blendend weißen Sandstrand freilegt. Wie im Bilderbuch.

INFO: Mit den Schiffen der Reederei Vedettes de l’Odet kommt man von Frühjahr bis Spätsommer von Beg Mail, Concarneau, Port La Forêt, Loctudy und Bénodet zu den Glénan-Insel. Hier geht es zu den Abfahrplänen.

Trauminsel Belle-Île-en-Mer, aber bitte nicht weitersagen

Zumindest dachte ich das – bis ich die wohl schönste Insel Frankreichs entdecke. Belle-Île, wer ein wenig französisch spricht oder sonst schnelle Synapsen hat, weiß was das bedeutet – und der Name ist Programm.

Die schöne Insel liegt etwa eine Stunde Bootsfahrt entfernt vom hübschen Fleckchen Quiberon südlich und malerisch im Meer, was ihr den Beinamen „en-Mer“ verschafft hat. Französisch kann so einfach sein. Wenn man den Schock, der sich einem am überfüllten Hafen bietet überwunden hat, und wenn man sich ein Fahrrad, oder wie in meinem Falle ein Motorrad oder eine Ente (ja tatsächlich, die kann man hier mieten) schnappt und dann hinfort knattert, dann meint man sich im Paradies wiederzufinden.

Malerische Landschaften, sanfte Hügel, kleine putzige Strände, überall fröhlich winkende Menschen, winzige bunte Häuschen und dann im Norden breite felsige Buchten mit noch höheren Wellen als sonst wo – und und und. Die Superlative finden hier kein Ende. Wer nur kurz auf Belle-Île weilt, sollte unbedingt das Bier der inseleigenen Brauerei kosten, es schmeckt hervorragend. Dazu vielleicht noch ein Döschen Fisch öffnen und mit einem Baguette am Strand verputzen, mehr braucht es doch nicht um glücklich zu sein. Weitere Informationen zu Fährverbindungen und Preisen findest du hier.

Hauptstadt Rennes: hip & urban

Einen ähnlichen kulinarischen Spaß kann man sich übrigens in Rennes erlauben. Natürlich gibt es in der jungen und quirligen Studentenstadt unendlich gute Bars, Bistros, Restaurants, ja sogar richtig edle Galettes/ Crêpes -Etablissements, wie die geniale Crêperie Saint-Gorges.

Anschrift zur Crêperie:
Rue du Chapitre
35690 Rennes
Webseite der Crêperie

Aber: mir bereitet es das größte Vergnügen ein Picknick mitten in der Stadt zur veranstalten. Denn Rennes hat den zweigrößten Wochenmarkt von Frankreich, den Marché de Lices. In großen Hallen drinnen und an Ständen davor verkaufen am Samstag viele lokale Händler ihre leckeren Waren.

Und die Bretonen nehmen sie nicht nur mit nach Hause, sondern kaufen gleich noch ein wenig mehr Salami, Schinken, Käse, Brot und Schleckereien, um diese dann direkt in einem der umliegenden Cafés oder Bars zu verzehren. Das ist nämlich erlaubt.

Man bekommt ein Brett und Messer und sollte selbstredend eine Karaffe Wein dazu bestellen. Und dann mit seinen Mitreisenden anstoßen und sich darüber freuen, wie schön so ein Roadtrip sein kann, wenn man eben wie Gott in der Bretagne leben darf.

Anschrift zum Wochenmarkt
Marché de Lices
3 Place du Bas des Lices
35000 Rennes

Ich wünsche dir viel Spaß bei deiner Reise durch die Bretagne.

2 Kommentare zu “Reisebericht Bretagne: Ein Augen- und Gaumenschmaus


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