Besser Reisen. Besser Fühlen.

1 Stern2  Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne aus 28 Bewertungen
Loading...

Reisebericht: Eine beeindruckende Reise durch Myanmar

Autor: Gordon Wagner

Immer wieder verschlug es mich über die Jahre zu südost-asiatischen Ländern, aber keines hat mich aus unterschiedlichsten Gründen derart beeindruckt wie Myanmar, bisweilen noch immer als Burma bekannt.

Drei Wochen bereiste ich mit einem guten Freund einen Großteil des Landes – neben großen (und teilweise sogar motorradbefreiten!) Städten, traumhaften Stränden und einer Fülle von Tempelanlagen in sämtlichen Größendimensionen erlebten wir insbesondere ein außergewöhnlich freundschaftliches Volk.

Wir begannen unsere Tour de Force in Yangon, der ehemaligen Hauptstadt, die mit 5,5 Millionen Einwohnern noch immer das wirtschaftliche Zentrum des Landes bildet. Im Jahr 2002 begann die Militärregierung des Landes (mehr oder weniger heimlich) mit der Konstruktion einer neuen Hauptstadt und nur 3 Jahre später bereits zogen die Ministerien von Yangan nach Naypyidaw – zwar ist diese Stadt sehr viel zentraler gelegen, aber für Touristen weitestgehend uninteressant.

Auf Entdeckungstour in Yangon

Stadtansicht Paya Yangon
Stadtansicht Paya Yangon

Also konzentrierten wir uns auf Yangon, wo es nicht nur eine gut funktionierende Infrastruktur gibt, sondern auch günstige Hostels, Hotels und so genannte „Homestays“. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen dabei die Tempelanlagen um Shwedagon Paya (der wichtigste buddhistische Tempel im ganzen Land – und die Burmesen neben den Buddhismus noch sehr ernst), die um die Stadt herum führende Eisenbahn (die ironischerweise vor allem von Touristen genutzt wird) und schließlich der Kandawgi Park, von dessen Seeanlage aus sich nicht nur schöne Sonnenuntergänge beobachten lassen, sondern auch Shwedagon Paya.

Mit dem Nachtbus zum Strand 

Ngapali Beach
Ngapali Beach

Nach einigen Tagen in der großen Stadt zog es uns ans Meer und wir entschieden uns für einen Strand an der Küste zum Bengalischen Golf. Nach einer langen Nachtbusfahrt, in der wir so gut wie kein Auge zu bekamen, landeten wir schließlich in Ngapali Beach. Das Problem mit den Nachtbussen war uns bereits aus Indien bekannt: Dort (aber auch in vielen Orten in Lateinamerika) lieben die Busfahrer es, ihre Fahrgäste nicht nur mit lauter Musik zu beschallen oder auch mit humoristischen Musikvideo-Clips zu amüsieren – nein, auch die Klimaanlage sollte möglichst effektiv genutzt werden (im Klartext: Je wärmer es draußen ist, desto kühler wird üblicherweise die Busfahrt).

Tempel von Mrauk U
Tempel von Mrauk U

 

Ngapali Beach war dabei nur ein kurzer (wenn auch äußerst erfrischender) Zwischenstopp auf dem Weg zu den Tempelanlagen im Nordwesten des Landes. Zunächst zog es uns zu einem Städtchen namens Mrauk U – übersetzten lässt sich dies etwa mit „Affen-Ei“. Im Gegensatz zu den wesentlich bekannteren Tempelanlagen von Bagan sind jene in Mrauk U zwar deutlich kleiner, aber was sie interessant macht, ist ihre unmittelbare Umgebung zu den nahen Dörfern. Die Menschen hier leben, arbeiten und spielen in direkter Nähe zu den teilweise zu zerfallen drohenden Pagodas aus Stein und Lehm.

Der Autor in Mrauk U
Der Autor in Mrauk U

Nach Mrauk U (und einer problemlosen Busfahrt) ging es für uns nun nach Bagan – für viele Besucher einer der Höhepunkte auf deren Reise durch das Land. Diese alte Königsstadt besteht aus über 2.000 kleinen bis Kathedral-ähnlichen Ziegelstein-Bauten auf einer Fläche von beinahe 40km². Bis vor einigen Monaten war es noch relativ unkompliziert, die Tempel für einmalige Aussichten zum Sonnenauf- und Untergang zu erklettern. Zum Schutz der Anlage wurde dies seit 2018 mit Hilfe von Zäunen, Toren und Kontrollen verstärkt eingeschränkt

Tempel von Bagan
Tempel von Bagan

Glücklicherweise sind aber noch immer einige Bauten übrig, die (ganz legal) zu erklettern sind und die Aussicht auf die Tempelanlagen bleibt atemberaubend schön. Wer das nötige Kleingeld übrig hat, kann die Aussicht zudem vom Heißluftballon aus genießen – etwa 300 U.S.$ werden dafür mittlerweile verlangt.

Aufbruch in die Kultur-Hauptstadt Mandalay

Nach einigen Tagen (und gleich mehreren Sonnenaufgangs-Fahrten mit dem Rad in morgendlicher Frühe) zog es uns wieder in die Stadt, nach Mandalay, des Landes Kultur-Hauptstadt. Höhepunkt hier war die Ersteigung des Mandalay Hill im Nordosten des königlichen Areals im Zentrum. Auf dem Rücken eines kleinen Pick-up-Trucks ging es nach Pyin Oo Lwin, einer kleinen britischen „Hill Station“ in kühleren Höhen, von der aus wir eine besondere Zugfahrt antraten. Ganz in der Nähe (Richtung Hsipaw) überquerte der von den Briten errichtete Zug nämlich eine der größten Schluchten des Landes, die Goteik-Schlucht. Das 1900 errichtete Viadukt war zur Zeit der Fertigstellung das höchste der Welt (noch immer gilt es als höchstes in Myanmar).

Goke-Hteik-Viadukt
Goke-Hteik-Viadukt

 

Myanmar – ein Land mit viel Herz

Ich erwähnte zu Beginn des Reiseberichts die Freundlichkeit der Einheimischen – diese liegt vermutlich darin begründet, dass das Land noch nicht sehr lange geöffnet ist für Besucher aus fernen Ländern. Für beide Seiten bedeutet dies ein stetes Abenteuer, welches mit durch Neugierde und Offenheit geprägt ist. Immer wieder haben wir erlebt, wie uns Einheimische in den unterschiedlichsten Situationen zu Hilfe eilten, bspw. bot uns ein Taxi-Fahrer in Yangon bei starkem Regen einen Schirm an. Als mir beim Fahrradfahren die Kette heraussprang, eilten augenblicklich drei Jungs herbei, die mir halfen, sie wieder auf den Zahnkranz zu befördern. Und stets wurde versucht, uns die bestmöglichen (vegetarischen) Essensoptionen anzubieten.

Eines der schönsten zwischenmenschlichen Ereignisse allerdings war die Zusammenkunft mit zahlreichen Schulkindern, die uns (je nach Alter) schüchtern winkten oder lautstark zuriefen. Einige wollten mit uns Fußball spielen, andere nur ihre Englisch-Kenntnisse erproben und wieder andere ganze Interviews führen (zumeist zu umweltrelevanten Themen).

Bootsfahrt auf dem Inle Lake
Bootsfahrt auf dem Inle Lake

Vom nördlichen Hsipaw, wo die Zugfahrt für uns endete, führte unsere Reise uns wieder in den Süden: einer der schönsten Orte war dabei Nyaungshwe am Inle Lake. Dieser große Süßwassersee bietet „schwimmende Dörfer“ (mit auf Pfählen errichteten Häusern im Wasser), Märkte und Workshops, auf denen Touristen Silber und Tabak in verschiedensten Geschmacksrichtungen verkauft wird.

Tempelanlagen in Inthein am Inle Lake
Tempelanlagen in Inthein am Inle Lake

Nyaungshwe erinnert dabei dank der sehr tourismusorientierten Grundstruktur an eine frühe Version von Bangkoks Khao San Road – allerdings deutlich entspannter und mit wesentlich weniger Backpackern. Vielleicht allerdings mit genau der richtigen Menge – dieser Tage mag genau der richtige Moment zu sein, Myanmar noch in dessen ursprünglicher Form zu erleben: ausreichend vorhandene Strukturen, aber im Wesentlichen vom Kommerz (noch) unverdorbene Einheimische und authentisch interessierte Bewohner.

Weiter ging es für uns zu einer Rarität: dem so genannten „Golden Rock“ bzw. der „Kyaiktiyo-Pagode“ nahe der Stadt mit dem gleichen Namen: ein bei Touristen und buddhistischen Pilgern zugleich beliebter Wallfahrtsort. Was ist die Geschichte dahinter? Nun, für die Buddhisten geht es hier um ein Haar – aber natürlich nicht nur um irgendeines, sondern das Haar des Buddhas, das den ganzen Unterschied macht: dieses eine Haar sorgt für Stabilität und Sicherheit. Und diese Metapher wurde auf den goldenen Felsen übertragen…

Die Gegend um Hpa-an im weiteren Süden ist berühmt für ihre vielen Höhlen, die allesamt mit Buddha-Statuen in verschiedensten Größen und Formen ausstaffiert sind. Mindestens so interessant wie die Höhlen ist allerdings die aus Reisfeldern und Karstfelsen bestehende Landschaft, die ein wenig an die Halong Bay in Vietnam erinnert – nur eben in einer „Inland“-Variante.

Die letzte Fahrt

Bevor wir mit dem Nachtbus nach Yangon unsere letzte Fahrt in diesem zauberhaften Land antreten, gilt unser letzter Halt der alten Kolonial-Stadt Mawlamyine. Hier ließen sich bereits die weltbekannten Autoren Rudyard Kipling („The Jungle Book“) und George Orwell („1984“ oder „Animal Farm“) inspirieren und Orwell (bzw. Eric Arthur Blair) war hier sogar im örtlichen Gefängnis als Wärter angestellt. Myanmar bietet tatsächlich für jeden etwas: Natur- und Landschafts-Enthusiasten, Beach bums, Philanthropen und auch Literaturbegeisterte. Nach 3 Wochen geht es zurück nach Yangon und mit dem Flieger weiter nach Bangkok – ein möglicher Ausblick auf die Zukunft Myanmars...

 

Ich wünsche dir viel Spaß bei deiner Reise durch Myanmar!

Weitere Reise Tipps

    Hotel Empfehlungen


      Schreibe einen Kommentar

      Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.