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Reisebericht: Madeira – Ein Volk der spitzen Mützen und der rauen Küsten

Autorin: Barbara Fischer

Ich atme Madeira. Ich sitze auf der sonnenflirrenden Terrasse und lausche den aufsteigenden Geräuschen der unter mir befindlichen Hauptstadt. Sollte ich ein Hotel in meinem Paradies empfehlen, so wäre es das „Quinta das Vistas“ mit wunderschönem Ausblick. Die Aussicht aus dem Hotel ist grandios und findet sich in unfassbar vielen Fotos auf der Speicherkarte meiner Kamera wieder.

Blick aus das Quinta das Vistas
Blick aus das Quinta das Vistas

Entschlossen den Jahreswechsel auf Madeira zu verbringen und auf der Insel in einer Woche möglichst alle Sehenswürdigkeiten zu sichten, landen wir am 27. Dezember gegen Mittag auf einem der gefährlichsten Flughäfen der Welt. Es fühlt sich nicht gefährlich an, der Pilot trifft die auf Stelzen aus dem Meer ragende Landebahn mühelos. Wir haben die Landeposition erreicht, wir steigen aus und atmen „grün“. Ein ständiger Wechsel von Bergen und Tälern, das Grün nur unterbrochen von leuchtend orangen, gelben und roten Blüten, bringt uns ins Staunen.

Sea of colours
Sea of colours

Am ersten Nachmittag laufen wir etwa drei Kilometer von unserem Hotel bis in den Ortskern von Funchal, das sonnige 20°- Wetter macht den Aufenthalt am Hafen zur Entspannung pur.

Santa Maria
Santa Maria

Verwunderung setzt ein, als unser Strandfeeling auf den Weihnachtsmarkt am Hafen trifft:  Weihnachtsmänner und attraktive Wichtelfrauen vor geschmückten Buden konkurrieren mit Eisverkäufern und kurzbehosten Touristen. Wir probieren von den Gebäckstücken gefüllt mit Chorizo Ibérico und Käse und von den Fischbrötchen. Außerdem auch den madeirischen Brand Poncha aus frischem Zuckerrohrsaft, Bienenhonig (seltener Melasse oder Rohrzucker) und einheimischen Zitronen.

 

Weihnachten bei 20 Grad am Hafen
Weihnachten bei 20 Grad am Hafen

Beim weiteren Bummel kamen wir vorbei an der Kathedrale Sé und dem Municipal Garden. Der Municipal Garden mit roten Weihnachtspyramiden vor gelben Taxis, unterbrochen von den bunten Kleidern der Touristinnen bildet einen erheiternden Farbenmix. Wir entschließen uns einem weiteren Nationalgetränk und seiner Erzeugung auf den Grund zu gehen. Wir laufen zu Blandys Weinhandlung, in der Hoffnung etwas über die Herstellung des echten Madeiraweins zu erfahren und an einer Verkostung teilnehmen zu können. Die Führung beginnt in einem romantischen Innenhof. Bei der Führung lernen wir viel über die unterschiedlichen Trauben, ihr Vorkommen, ihre Verarbeitung und wie wichtig das Ruhen unter gleichbleibenden Bedingungen für einen guten Jahrgang ist. Eine englische Lady, Geburtsjahrgang 1948, lässt sich vor einem Fass Madeirawein 1948 ablichten, beide eben ein exzellenter Jahrgang. Auch die Weinprobe findet statt, fünf und zehnjähriger süß trockener Madeira werden verkostet.

Bei Blandys
Bei Blandys

Wenn es um Essen und Trinken geht, ist das Kneipenviertel der Hauptstadt immer eine gute Empfehlung. Aber wie hungrig du auch sein magst, nimm dir Zeit für die Kunst. Zuerst lass mich das Haus 21 erwähnen, unweit der Seilbahnstation Almirante Reis, welches von den Portraits einiger bekannter Musiker, wie z.B. dem von Popstar Michael Jackson geziert wird. Löst du deine Augen von ihm, siehst du darüber die Seilbahngondeln hinauf- und herabschweben.

Die Kneipenmeile betretend, wird dein Blick wie magisch von einer bemalten Tür zu einer noch schöneren bemalten Tür geleitet, du findest das Abbild des Meeres in unzähligen Variationen, ebenso wie leichtbekleidete Schöne oder künstlerisch arrangierte Farbflächen.

Kunst im Kneipenviertel
Kunst im Kneipenviertel

So wird es zum echten Genuss, den Abend bei Oktopus, Degenfisch, Muscheln und einem guten Tropfen ausklingen zu lassen. Besonders anzuraten ist übrigens Cataplana, eine Fischvariation – benannt nach dem speziellen Kupfergefäß, in dem sie zubereitet wird.

Aber Madeira offeriert natürlich nicht nur delikates Essen und Trinken, sondern verwöhnt seine rund 280.000 Einwohner und mindestens ebenso vielen Touristen auch mit der überwältigenden Schönheit seiner Natur.

Strelitzie
Strelitzie

Eine Levada Wanderung gehörte auch bei uns zum Programm. Wir starteten von Ribeiro Frio, nahmen die kurze leichte Tour zu den Balçones, um von dort einen tiefen Blick ins grüne Tal zu genießen. Die Tour ist eine Familienroute und auch bei niedrigem Fitnesslevel gut zu gehen.

Es gibt eine riesige Auswahl an Wanderwegen entlang der Levadas, der Bewässerungskanäle, die dazu dienen, das Wasser aus dem regenreichen Norden in den eher trockenen Süden zu leiten. So kann sich jeder selbst seine (Tor)Tour wählen. Mein persönlicher Favorit war eine ganz andere Strecke, zu finden auf der Halbinsel São Lourenço. Ein gut ausgebauter Wanderweg von acht Kilometer führt oberhalb der Steilklippen entlang, enge Stellen sind mit Halteseilen gut gesichert und die Flora der Bergwelt hält immer wieder ihre bunten Überraschungen bereit. Unerwartet, in dem Glauben, dass der Weg an dieser Stelle endet, öffnet sich der Blick auf eine Meeresbucht mit drei rostroten, bizarr geformten Felsen – Erhabenheit pur.

São Lourenço
São Lourenço

Madeira – the island of colours. Egal, ob man an einem Freitag die Markthalle „Mercado dos Lavradores“ besucht und auf Drängen der Händler mindestens zehn verschiedene Sorten Maracujas kostet, eine Handvoll roter Pitangas kauft, sich in die kleinen süßen gelben Bananen verliebt oder an den Straßenrändern die rotblühende Baum-Aloe bewundert – Madeira ist eine Farbpracht.

Mercado dos Lavradores
Mercado dos Lavradores

Dieser Eindruck der Farbpracht verstärkt sich noch durch den Besuch des Botanischen Garten Jardim Botânico de Madeira in Funchal oder des Jardim Tropical Monte. Der tropische Garten Jardim Tropical Monte ist erreichbar durch die Seilbahn Teleférico do Funchal.

Teleférico do Funchal
Teleférico do Funchal

Der Jardim Tropical besticht nicht nur durch seine Pflanzenvielfalt und deren Farbigkeit, sondern auch durch die wundervolle Gestaltung der einzelnen Areale mit Seen, Brücken, Wasserspielen, Palmeninseln und vielem mehr. Er lässt die Zeit vergessen, man plane drei bis vier Stunden ein für seine Besichtigung. Dabei wird man inspiriert dazu, dass eine oder andere Pflanzenbestimmungsbuch zu wälzen, um die einfache Frage zu beantworten: „Was ist denn das da?“ oder hätten Sie einen Kapokbaum an seinen Früchten erkannt?

Jardim Tropical Monte
Jardim Tropical Monte

Last but not least: Die bis jetzt erwähnten Sehenswürdigkeiten sind längst nicht alle der Insel. Wir haben die typischen Casas tipicas de Santana besucht.

Casas tipicas de Santana
Casas tipicas de Santana

Dann sind wir in São Vicente durch die Lavahöhlen gestapft und haben uns zum Mittelpunkt der Erde entführen lassen.

Lavahöhlen São Vicente
Lavahöhlen São Vicente

Des Weiteren konnten wir feststellen, dass der schwarze Lavastrand in Seixal wirklich nicht abfärbt. Der Besuch der Lavaschwimmbecken von Porto Moniz ist ganz sicher lohnend, wenn das Wetter es zulässt. Bezogen auf Sonne, Wind und Regen ist Madeira, die Schöne, oft sehr „wetterwendisch“.

Lavaschwimmbecken von Porto Moniz
Lavaschwimmbecken von Porto Moniz

Bezogen auf Silvester ist Madeira eine glatte Empfehlung. Wir erlebten ein 15-minütiges Feuerwerk vom Feinsten, gut sichtbar hoch über Funchal.

Silvesterblick
Silvesterblick

Wie man sagt, wird es an 25 Stellen der Stadt gleichzeitig entzündet, den Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde hat es damit geschafft. Am Schluss endet es in einem lautstarken Stakkato. Zwölf Rosinen verheißen zwölf neue, glückliche Monate, in denen hoffentlich wieder viele Fremde zu Freunden werden und Madeira noch mehr Bewunderer ihrer Schönheit erlangt.

 

Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Aufenthalt in Madeira.


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