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Reisebericht: Die Vereinigten Arabischen Emirate – Das wahre Gesicht

Autorin: Sara Denndorf

Es ist das Land der 1001 Träume, der fremden Welt mit all ihren Geheimnissen. Der Zauber der Vereinigten Arabischen Emirate legt sich wie ein Schleier über den Wüstenstaat mit seinen glänzenden Gebäuden, die in den Himmel ragen, über die Kamele in der weiten Wüste und über das klare blaue Wasser an dessen Ufer sich Wolkenkratzer auftürmen und sich um den Platz an der Sonne streiten. Spricht man von den Emiraten, denkt man meist nur an Dubai und Abu Dhabi.

Bilderbuch-Arabien am Burj Lake in Dubai
Bilderbuch-Arabien am Burj Lake in Dubai

Dabei geht die wahre Magie des beeindruckenden Orientstaates weit über den Burj Khalifa hinaus. Selbstverständlich ist ein Besuch jenes utopisch hohen Bauwerks Pflicht, es ist das Wahrzeichen

Dubais. Bei der Anfahrt Richtung Downtown sieht man den 828 Meter hohen Turm schon aus der

Sandwüste in den Himmel ragen, so riesig, dass er aus der Nähe nicht mal in voller Größe auf ein Foto passt. Umgeben vom Burj Park und dem dazugehörigen See zeigt er schon fast exemplarisch das Bilderbuch-Dubai: Der im prallen Sonnenlicht schimmernde Burj wacht über der Stadt, arabische Frauen mit Burkas und Designertaschen laufen am See zwischen beigefarbenen Sandsteinhäusern und blau glitzernden Bürogebäuden entlang.

Dubai, Die Stadt in der Oase wächst und wächst
Dubai, Die Stadt in der Oase wächst und wächst

Ähnlich ist es beim kleinen Bruder des Burj Khalifas, dem Burj al Arab. Jenes Hotelgebäude mit seiner unverwechselbaren segelförmigen Kubatur thront jedoch nicht über der Downtown, sondern mitten im türkisblauen Meer und lässt sich besonders toll vom Al Sufouh Beach, einem öffentlichen Strand, aus dem klaren und flachen Wasser oder mit warmen Sand zwischen den Zehen betrachten. Neben den Burjs ist noch der Dubai Marina Walk berühmt. Am Wasser entlang, zwischen Booten und edlen Restaurants, winden sich Hochhäuser am Ufer entlang. Der Walk ist perfekt, um Dubai – oder zumindest die touristische Seite der Stadt – kennenzulernen.

Al Sufouh Strand in Dubai, der perfekte Blick auf den Burj al Arab
Al Sufouh Strand in Dubai, der perfekte Blick auf den Burj al Arab

 Ein traditionelleres Gesicht zeigt die Stadt unter Anderem am Creek, dem Hafen des Handels, an dem alte, überladene Holzboote die Sicht auf das Wasser versperren. Es verwundert, dass diese Kähne überhaupt noch ansatzweise seetauglich sind. Wenn man höflich fragt, bekommt man sogar eine kleine Schiffsführung und darf sich auf den Kähnen umsehen.

Zurück nach Vorgestern, Der Dubai Creek
Zurück nach Vorgestern, Der Dubai Creek

Auf der anderen Seite des Creeks bilden die zahlreichen Souks mit bunten Gewürzen, farbenfrohen

Gewändern und goldenem Schmuck, ein Pendant zu den Designerläden. Das Altstadtviertel am Meeresarm des Persischen Golfs verkörpert den arabischen Charme, es ist sozusagen das vertraute Gestern zwischen all dem futuristischen Morgen.

Kamele vor ihrem Rennen
Kamele vor ihrem Rennen

 Dubai ist jedoch nicht nur eine Wüstenmetropole, es ist die Heimat vieler Kamele, die ihren Weg auch in den Sport gefunden haben. Es lohnen sich Besuche bei Al Habtoor Polo oder beim Al Marmoom Camel Racing Club. Hier zeigen sich die Extreme zwischen Moderne und Tradition, wie sonst nur selten: Die Kamele werden von kleinen, auf ihnen sitzenden Robotern angetrieben, die Besitzer der Kamele fahren auf einer Parallelstraße mit SUVs nebenher.

Radfahren im Sonnenuntergang, Yas Marina Circuit in Abu Dhabi
Radfahren im Sonnenuntergang, Yas Marina Circuit in Abu Dhabi

Über solche Geschwindigkeiten kann man in Abu Dhabi nur lachen. Jeden Dienstag kann man am Yas Marina Circuit, wo sonst beim jährlichen Formel 1 Grand Prix von Abu Dhabi Vettel und Co. mit 300 Stundenkilometern über den Asphalt preschen, kostenlos mit dem Fahrrad oder zu Fuß die Strecke erkunden und den frischen Fahrtwind im Sonnenuntergang genießen, sich auspowern und den Tag Revue passieren lassen - erforderlich ist nur eine vorherige Registrierung im Internet.

Mohammed Bin Zayed Stadium in Abu Dhabi
Mohammed Bin Zayed Stadium in Abu Dhabi

Für Sportfans empfiehlt sich ein Besuch eines Fußballspiels der Arabian Gulf League. Dabei geht es weniger um das Geschehen auf dem Platz, sondern um die Menschen, die den Besuch zu einem besonderen Erlebnis werden lassen: Fans mit weißen Gewändern und einem Vereinsschal, die auf der Tribüne stehen und Fan Songs grölen, Hilfsarbeiter aus aller Welt, die beim Spiel die Leiden des Arbeiteralltags vergessen und voller Inbrunst lebensfrohe Lieder singen.

Man sieht wie verletzte Spieler mit Golfkarts vom Platz gefahren werden und auf dem Weg in die Kabine an einem bunten Blumenbeet vorbeikommen. Wie so oft zeigt sich im Sport das Gesicht einer Region, weshalb der Besuch eines Spiels (die Tickets sind meistens kostenlos) ähnlich viele Aufschlüsse über die Kultur der Emiratis gibt wie beispielsweise ein Besuch der Sheikh Zayed Grand Mosque, der größten Moschee der VAE.

Sheikh Zayed Grand Mosque in Abu Dhabi

Sheikh Zayed Grand Mosque in Abu Dhabi
Sheikh Zayed Grand Mosque in Abu Dhabi

Zwischen reinem Weiß, befindet sich schimmerndes Gold und florale Ornamente, das ist die Sheikh Zayed Grand Mosque. Sie bietet einen atemberaubenden Einblick in das religiöse Herz der Emirate. Wer zu freizügig (kurze Hosen, die nicht die Knie überdecken, Tops, etc.) gekleidet ist, kann sich gebührenfrei ein traditionelles Gewand leihen und darin die Moschee erkunden. Die weißen Wände, die verzierten Marmorfliesen, die goldenen Details, der einzigartige Geruch und mittendrin die Muslime, die Allah anbeten, nachdem der Muezzin zum Gebet gerufen hatte: Ein Besuch der Moschee ist Pflicht.

Rub al Khali Wüste
Rub al Khali Wüste

 Nach dieser kulturellen Erfahrung bietet sich eine Fahrt durch die Rub al Khali-Wüste an, die sich mit einer Fläche von 680 Tausend Quadratkilometern über mehrere Staaten erstreckt und damit die größte Sandwüste unseres Planeten ist. Die Wüste zu erkunden, über den Sand fahren, vielleicht ein Kamel die Straße überqueren lassen, im Sonnenuntergang auf eine riesige Düne steigen – egal was, die Rub al Khali-Wüste bietet tolle Gelegenheiten, den ursprünglichen arabischen Geist zu erleben. Einen ähnlich tollen Sonnenuntergang kann man an der Spitze des Jebel Hafeet, einem Berg an der Grenze zum Oman, unweit von Al Ain, bewundern: Eine elf Kilometer lange Straße führt zum Gipfel, von wo aus vor allem Einheimische den Ausblick über das „leere Viertel“ genießen.

Sonnenuntergang am Jebel Hafeet
Sonnenuntergang am Jebel Hafeet

 Zuletzt führt die Reise nach Sharjah, dem Kulturzentrum des Landes, sozusagen der kleinen

Schwester von Dubai, die noch kein Englisch spricht. Sharjah ist deutlich konservativer als Abu Dhabi und Dubai, sehr viel ursprünglicher – aber nicht weniger schön. Ob es nun ein Spaziergang durch den Al Ittihad-Park ist, von dem aus man großartig die Downtown sehen kann, ein Besuch der Al Noor Mosque oder ein Nachmittag am wunderschönen Al Mamzar Beach – Sharjah hat einiges zu bieten.

Fährt man von der Moschee aus entlang an der Meerpromenade kommt man nach wenigen Minuten zur Al Majaz Waterfront. Im marokkanische Restaurant Al Manza direkt am Wasser kann man am Abend bei köstlichem Essen das Wasserspektakel beobachten (Tipp: Häufig bietet das Restaurant diverse Gutscheine im Internet an).

Bleiben wir beim Thema Essen: In der Al ObadBakery, einem unscheinbaren Laden in Sharjah, verspürt man den besonderen Flair dieses Emirats: Alte Männer in braunen Gewändern, die kein Englisch sprechen und den Verkauf mit Händen und Füßen regeln, kleine Jungs, die mit gefälschten Trikots im Al Ittihad-Park einem Fußball hinterher jagen oder Arbeiter, die in der Mittagspause Cricket auf einem Sandplatz neben der Autobahnauffahrt spielen. Sharjah hat dieses gewisse Etwas.

Alle Emirate haben dieses gewisse Etwas, aber kaum einer spricht davon. Die Arabischen Emirate werden zu oft auf Dubai und Abu Dhabi reduziert. Dabei sind der Burj Khalifa, die Designerläden, oder die Palm Islands, all jene Sehenswürdigkeiten, die das Bilderbuch-Arabien zu definieren scheinen, nur der Schmuck auf dem wahren Gesicht des Landes.

Vielleicht ist es an manchen Stellen etwas verschmutzt und zerstört die Illusion des perfekten Landes, aber entflieht man dieser Blase der Idylle, erkennt man dieses markante Gesicht. Es blendet nicht wie der Schmuck, aber es strahlt dennoch. Den Burj zu sehen hat noch niemanden in seiner Weltsicht beeinflusst, jedoch in der Wüste zu stehen, kulturelle Begegnungen zu haben, den ursprünglichen Geist dieses Wüstenstaates zu spüren, dass hingegen schon.

Al Obad Bakery in Sharjah
Al Obad Bakery in Sharjah

 

Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem Aufenthalt in den Vereinigten Arabischen Emiraten.


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