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Reisebericht: Eine Reise durch Vietnam

Autor: Gordon Wagner

Eigentlich war diese Reise längst überfällig: Schon vor einigen Jahren wanderte ich mit einem guten Freund auf dem so genannten Banana Pancake Trail, also den südostasiatischen Ländern von Thailand bis hinunter nach Malaysia. Woher der Name? In den meisten Hostels ist auch das Frühstück inklusive und dies beschränkt sich zumeist auf Pancakes mit Bananen-Geschmack – aber auch abseits der Unterkünfte, etwa in den vielen Seitenstraßen gehören Pancake-Stände einfach dazu, bspw. in der berühmten Backpacker-Szenen-Straße Khao San Road in der thailändischen Hauptstadt Bangkok.

Damals reisten wir von Bangkok in den Osten Thailands und über das etwas weniger bekannte Kambodscha weiter nach Laos, um schließlich in den Norden Thailands zurückzukehren. Vietnam ließen wir dabei aus, da das benötigte Visum damals (2013) noch vergleichsweise teuer war. Dies änderte sich mittlerweile und im Dezember 2018 war nun auch Vietnam an der Reihe.

Vietnam wir kommen

Alles begann mit einem Flug von Kuala Lumpur nach Saigon, der größten Metropole im Süden des S-förmigen Landes, das flächenmäßig beinahe so groß ist wie Deutschland. Saigon heißt seit dem Ende des „American War“ (so wird der Vietnam-Krieg dort verständlicherweise benannt) offiziell Ho-Chi-Minh-City, aber viele Einheimische haben sich an die Namensänderung nie gewöhnen können.

Rathaus von Saigon / Ho Chi-Minh-City
Rathaus von Saigon / Ho Chi-Minh-City

Selbst wenn man meint, auf das bevorstehende Verkehrschaos mental vorbereitet zu sein – Saigon kann problemlos selbst mit Mumbai oder Delhi in Indien mithalten! Und die auf Motorrädern und Scootern durch die breiten wie engen Straßen heizenden Einheimischen kennen hier kein Pardon. Werden die Fußwege ausnahmsweise nicht als alternative Fahrbahnen genutzt, liegt das entweder an speziell konstruierten Metallrohren (die das Durchfahren erschweren sollen) oder schlicht daran, dass der eigentlich Fußgängern zugedachte Platz bereits zum Motorrad-Parkplatz transformiert wurde. Mit anderen Worten: Als Fußgänger hat man es nicht ganz einfach in dieser 10-Millionen-Einwohner-Stadt.

Saigon zu erleben, lohnt sich dennoch: Nicht nur sorgen einige große Stadtparks für die nötige Ruhe, es gibt zudem zahlreiche gut durchdachte und informative Museen. Diese klären nicht nur über den Vietnam-Krieg (von 1965 bis 1975) auf und zeigen ihn aus der Perspektive der Einheimischen wie bspw. das „War Remnants Museum“, sondern machen mit lokaler Kunst vertraut (im „Museum of Fine Arts“) oder erzählen von der Stadtgeschichte (bspw. im „Museum o Vietnam History“).

Buntes Nachttreiben in Saigon

Vor allem aber ist Saigon tatsächlich eine Stadt, die niemals schläft: Hier gibt es großartige Nachtclubs zum Tanzen und Bars zum Nächte-Durchzechen, bspw. in der vietnamesischen Variante der Khao San Road, der „Walking Street“ südlich des Parks des 23. September („23/9 Park“).

Wenn man von all dem schließlich genug hat, ist es glücklicherweise ein Leichtes, der großen Stadt wieder zu entfliehen: Für mich ging es dabei zunächst ins vietnamesische Hochland, zu einem Ort namens Da Lat. Die französischen Offiziere bauten sich hier während der Kolonialzeit eine Sommer-Residenz, um der unerträglichen Hitze des Südens zu entkommen – in Saigon werden im Sommer schnell 40 Grad und mehr erreicht. Auch der letzte vietnamesische Kaiser baute sich hier gleich drei große Paläste.

Neben den vielen vertraut aussehenden französischen Villen (im europäischen Architektur-Stil), dem kühleren Klima sowie einigen umliegenden Wasserfällen wartet Da Lat allerdings noch mit einem weiteren Höhepunkt auf: dem so genannten Crazy House.

Crazy House - in Da Lat
Crazy House - in Da Lat

Hierbei handelt es sich um das architektonische Langzeit-Projekt einer bekannten vietnamesischen Architektin namens Đặng Việt Nga. Nicht nur gleicht das gesamte Haus einem märchenhaften Fabelbau, welches man tagsüber durchwandern kann – auch Übernachtungen sind möglich. Hierbei hat man dann zumindest im Morgengrauen sowie zum Sonnenuntergang (fast) das gesamte Anwesen für sich.

Nach Da Lat reiste ich ein ganzes Stück weiter hinauf, nach Zentral-Vietnam: zum einen nach Hoi An, zum anderen nach Hue. Beide Städte liegen relativ nahe beieinander, unterscheiden sich allerdings deutlich voneinander.

Hoi An gilt dank seiner bunten Altstadt, die seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, als Touristen-Magnet – und das zu Recht: Die mit lauter kleinen Läden übersäten Altstadt-Gässchen mit ihren zahlreichen Lampions kreieren eine allzu gemütliche Atmosphäre.

Altstadt in Hoi An
Altstadt in Hoi An

Noch dazu herrscht hier ein Motorrad-Verbot, das in großen Teilen sogar eingehalten wird. Zu den Highlights der Stadt gehören die Japanische Brücke sowie eine Bootsfahrt zum Sonnenuntergang von einem Ufer der Altstadt zum anderen.

Hue liegt noch etwas nördlicher (mit dem Bus etwa 2,5 Stunden entfernt). Diese Stadt ist aus ganz verschiedenen Gründen etwas ganz Besonderes: Zunächst diente sie dem letzten Kaiser (Bao Dai – jener mit den Palästen in Da Lat) als Sitz der kaiserlichen Stadt, welche als Zitadelle innerhalb der Altstadt angelegt ist. Eine Zitadelle innerhalb der Zitadelle diente den kaiserlichen Herrschern zudem als Wohnort; heute ist sie als „Purple Forbidden City“ bekannt.

Hoi An
Hoi An

Nachdem sich ein Sieg von Ho Chi Minhs revolutionärer Armee abzeichnete, dankte der Kaiser ab. Im Krieg zwischen dem kommunistischen Norden sowie dem von den Vereinigten Staaten unterstützten Süden kam es in der Stadt allerdings zu heftigen Kämpfen, wobei die kaiserliche Stadt schwer beschädigt (und im Anschluss zwar saniert, aber nur teilweise wiederaufgebaut) wurde.

Beeindruckende Sehenswürdigkeiten

Neben der „Imperial City“ hat Hue allerdings noch eine Sehenswürdigkeit ganz anderer Art zu bieten. Eher zufällig kam ich ins Gespräch mit einer weiteren Solo-Reisenden aus Polen (sie saß im selben Bus von Hoi An kommend), die mir von einem verlassenen Wasserpark im Süden der Stadt berichtete. Wir beschlossen, uns gleich am nächsten Tag auf den Weg zu machen und staunten nicht schlecht über den Anblick, der sich uns bot: überwachsene Wasserrutschen, zerfallene sowie mit Graffiti besprühte Elefanten- wie Schildkröten-Figuren und ein Wasser-Show-Stadion mit komplett erhaltenen Sitzreihen.

Den Höhepunkt allerdings stellte ein riesiger Drache inmitten eines Sees dar, der wie ein Wächter über das Areal blickt. Drei Brücken führen zu dieser surreal wirkenden, den Gezeiten trotzenden Figur, von innen ist er zudem begehbar: Vom Maul des Drachen aus hat man eine fantastische Aussicht über die umliegende Natur sowie ein erhabenes Kloster in der Nähe.

Während einheimische Farmer um den Wasserpark herum mit ihren Büffeln und Kühen umherwandern, stellt es für westliche Besucher allerdings eher ein Abenteuer dar, den Park zu besuchen: Offiziell ist er seit 2018 geschlossen und die auf Motorrädern patrouillierenden Wächter beharren energisch auf ein „Eintrittsgeld“ von mindestens 10.000 Dong pro Person – das sind umgerechnet etwa 40 Eurocent.

Laut meiner Recherchen war der Bau des Wasserparks von Anfang an Kontroversen ausgesetzt: ein ausländischer Investor baute den Großteil der Anlage auf einem alten Friedhof, was Widerstand von den Einheimischen provozierte. Bei den Bauarbeiten selbst kamen angeblich gleich mehrere Arbeiter ums Leben und schließlich musste der Park im Jahr 2004 wegen einer zu niedrigen Besucherzahl schließen. Angesichts der Detailverliebtheit der Gebäude und Statuen ist dies nur schwer nachzuvollziehen.

Die Abschlusstour

Auf der dritten und letzten Etappe meiner Vietnam-Reise ging es nun in den lang ersehnten Norden. Da Silvester vor der Tür stand, machte ich mir von vornherein einige Gedanken über den bestmöglichen Ort für den Jahreswechsel – und entschied mich für die Insel Cat Ba in der Halong Bay, einer weltberühmten Bucht bestehend aus Karstfelsen, die aus dem Meer ragen und ein spektakuläres Bild abgeben.

Auf dem Weg nach Cat Ba legte ich noch einen Zwischenstopp an einem Ort namens Tam Coc ein. Der Bus aus Hue kam hier mitten in der Nacht an und nach Tagen (bzw. Wochen) wonniger Wärme wurde ich von der unerwarteten Kälte etwas überrascht. Fast schien es, als hätte mich der europäische Winter eingeholt, aber letztlich taten ein zusätzlicher Pullover, eine lange Hose und feste Schuhe ihr Übriges. Tam Coc gilt auch als „Inland“-Alternative zur Halong Bay und es wird schnell deutlich, was davon gemeint ist – etwa, wenn man vom Aussichtspunkt „Mue Cave“ auf die selbst im regnerischen Dunst magisch wirkende Umgebung blickt.

Auch hier kann man sich in Booten von einem Dorf zum nächsten fahren lassen und sich dabei von Einheimischen lokale Handwerkskunst präsentieren lassen. Ich entschied mich hingegen für eine private Fahrradtour entlang an diesigen Reisfeldern, Tempelanlagen und länglichen Drachenstatuen aus Marmor und Bambus.

Nach zwei weiteren Busfahrten und einer Fähre über stürmisches Gewässer erreichte ich schließlich Cat Ba Island – bekannt für einen Nationalpark sowie eine Stadt mit dem selben Namen. Silvester verbrachte ich mit weiteren Reisenden in einigen tanzbaren Lokalen auf der Hauptstraße und war am nächsten Morgen dennoch fit genug für eine Erkundungstour der Insel.

Kulturell am beeindruckendsten war dabei die so genannte „Hospital Cave“, eine Höhle also, die während der Jahre des Vietnam-Kriegs als Krankenstation genutzt und entsprechend um- und ausgebaut wurde. In Cat Ba Town führten einige verwilderte Wege zu unerwartet weitreichenden Aussichtspunkten über die umliegenden Buchten sowie zu verfallenen Bunker-Ruinen – der Krieg hat auch hier unweigerlich seine Spuren hinterlassen.

Da Anfang Januar nicht der beste Zeitpunkt ist, die Reisfeld-Plantagen des Nordens zu besichtigen (bspw. Sapa), bildete Vietnams Hauptstadt Hanoi für mich zumindest auf dieser Reise den Abschluss. Die Stadt ist nicht nur bevölkerungsmäßig etwas kleiner, sondern auch das Zentrum (das so genannte „Old Quarter“) kompakter und überschaubarer.

Auch die Museen hier haben einiges zu bieten: der Temple of Literature lädt zum Verweilen und das ehemalige Gefangenenlager der Franzosen (von den U.S.-amerikanischen Kriegsgefangenen später liebevoll sarkastisch „Hanoi Hilton“ getauft) zum Nachdenken. Auf den Straßenmärkten nördlich der Roten Brücke und um den „Dong Xuan Market“ herum lassen sich günstige Souvenirs ergattern.

Mein letztes Frühstück im Hostel in Hanoi? Pancakes mit Mango- und natürlich Bananen-Geschmack! Im Anschluss ging es mit dem Bus zum Flughafen und alsbald zurück nach Kuala Lumpur, wo es mich in andere Gefilde Süd-Ost-Asiens verschlug.

Ich wünsche dir viel Spaß bei deiner Reise durch Vietnam!

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